Corona – Sterblichkeit

Ich habe mir erlaubt, einige Fragen, die von Patienten an mich gestellt werden, zu beantworten (wenngleich ich kein Virologe und auch kein Intensivmediziner bin).

Frage 1) Sind die strikten und eingreifenden Maßnahmen der Regierung sinnvoll?

Aus medizinischer Sicht ist es die einzige Möglichkeit, durch Abstandsregelung, Maskenpflicht und gründliche Händedesinfektion die Erkrankungsrate des Coronavirus zu reduzieren und das ist die einzige Möglichkeit unser Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten und einen zweiten „Lockdown“ zu verhindern.

Frage 2) Sind Infektionserkrankungen wirklich so gefährlich wie man hört? Es gibt doch Antibiotika?

Wir sind in einer Zeit, in der in Österreich die medizinische Versorgung sehr gut ist. Bei Infektionserkrankungen muss man prinzipiell zwischen bakteriellen und viralen Erkrankungen unterscheiden. Bakterielle Infektionen sind insofern leichter zu behandeln, weil es neben der symptomatischen Therapie, nämlich den Fiebersenkern, Entzündungshemmern und Hustendämpfern, auch eine spezifische Therapiemöglichkeit gibt, nämlich Antibiotika. Diese spezifische Therapie gibt es bei viralen Erkrankungen nur teilweise eingeschränkt (Virostatika) und die Wirksamkeit ist nicht so gut wie bei Antibiotika. Beim Coronavirus leider gar nicht, da es um einen Erreger geht, den man nicht  kennt.

Doch wie kommt so ein Erreger zustande, den man nicht kennt? Die „Spanische Grippe“ war auch so ein Erreger, den man nicht kannte und sie hat vor ziemlich genau hundert Jahren 25-50 Millionen Tote in Europa gefordert. Der Grund war, dass man medizinisch damals natürlich nicht annähernd so gut aufgestellt war, wie heute. Man wusste, dass es Erreger gibt, die man nur unter dem Mikroskop sieht und man hatte sogar schon einige Impfungen für damals bekannte Erkrankungen. Es fehlte aber an Fiebersenkern, entzündungshemmenden Präparaten und Antibiotika, die bei Superinfektionen viraler Erkrankungen erforderlich sind. Auch was die Desinfektion und Quarantänemaßnahmen betrifft, wusste man damals noch verhältnismäßig wenig. Die Erkrankung traf auf eine Bevölkerung, die nach dem 1.Weltkrieg völlig entkräftet und unterernährt war. Viele Menschen litten unter Vitaminmangel und waren krank. Sie lebten im Substandard in zerbombten Häusern, auf engem Raum gemeinsam beisammen und  Nahrungsmittel waren knapp. Von allgemeiner Quarantäne und klaren Anweisungen, so wie es heute nach dem aktuellen Regierungsprogramm stattfindet, war damals keine Rede.

Aber Infektionserkrankungen, die man nicht kennt- sind auch heute noch –wie man sieht- gefährlich, vor allem, wenn ein sogenannter „Antigenshift“ stattfindet. Das ist ein Antigenaustausch ganzer Gensegmente, die bei der Infektion zweier gleichzeitiger Virusstämme zum Beispiel im Schwein auftreten. Diesen Vorgang findet also in einem Tier statt und ist der Grund für völlig neu auftretende Infektionskrankheiten. Kommen nun diese antigenen Strukturen der „ Neuen Viren“ mit Menschen in Kontakt, kann das Immunsystem überfordert sein, weil die Immunzellen sie nicht kennen und auch keine Antikörper vorhanden sind. Diese Überlastung ist bei älteren und immungeschwächten Personen dann noch stärker gegeben. Dieser Antigenshift ist eine also eine gefährliche Mutation bei Grippeviren und findet offensichtlich auch bei Coronaviren statt. Im Gegensatz dazu kommt es beim Antigendrift nur zu kleinsten Veränderungen der Genomstruktur. Der Antigendrift ist auch der Grund, warum der Influenza- Impfstoff jedes Jahr wieder neu angepasst wird. Der gefährliche Antigenshift findet nur selten statt, wie z.B. Coronaviren (SARS, MERS, COVID 19) oder Grippeviren (Spanische Grippe, Schweinegrippe).

Frage 3) Warum gibt es keinen „gescheiten Impfstoff“ gegen das Corona Virus?

Die Herstellung eines Impfstoffes ist sehr komplex. Prinzipiell unterscheidet man Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe. Ein Lebendimpfstoff, wie zum Beispiel der Masern/Mumps/Röteln- Impfstoff bei dem der Erreger attenuiert wird, das heißt der nach der Produktion abgeschwächt ist, ist ein Impfstoff, der bei einem gesunden Immunsystem eines Menschen einen Prozess auslöst, der die Bildung von spezifischen, das heißt gegen den spezifischen Erreger gerichtete Immunzellen anregt, ohne eine richtige Erkrankung auszulösen. Man spricht auch von der Ausbildung eines „Immungedächtnisses“ (nämlich T-Killerzellen und B-Lymphozyten mit spezieller Ak- Bildung). Die zweite Möglichkeit sind Totimpfstoffe, bei denen der Erreger entweder vollständig abgetötet wird oder nur einzelne, für das Immunsystem wichtige antigene Strukturen zum Auslösen der Immunantwort enthält. Totimpfstoffe führen daher zu einer schwächeren „Merkfähigkeit“, sind dafür auch für Patienten, die immungeschwächt sind, in der Regel gut anwendbar.

Die Herstellung ist dementsprechend kompliziert. Man muss erproben, für welche Form man sich entscheidet. Es muss genügend antigenes Material im Impfstoff vorhanden sein um einen Immunprozess auszulösen, aber so wenig, um nicht die ganze Erkrankung zu provozieren. Dann muss der Impfstoff haltbar gemacht werden, indem er gewisse Temperaturschwankungen beim Transport aushält und es muss gesorgt sein, dass bei der Produktion der Impfstoff nicht „verschmutzt“ wird. Das alles ist möglich, aber es benötigt Zeit und viel Geld. Der weltweit angesehene Wiener Tropenmediziner Prof. Dr. Herwig  Kollaritsch hat in einem Interview bekundet, dass ein Impfstoff, der den geregelten EU-Normen entspricht in der Entwicklung 10-15 Jahre dauert und in den Produktionskosten, wenn alles funktioniert und es kann bis zum Schluss etwas schiefgehen, etwa 1 Milliarde Euro für den entsprechenden Impfstoff kostet. Natürlich kann man das schneller produzieren, aber es ist dann eben entsprechend riskanter und wirklich nur im Notfall sinnvoll.

Man muss, ja auch testen, ob der Impfstoff eine entsprechende Immunantwort auslöst und das allein dauert schon mehrere Monate bei den jeweiligen Versuchsgruppen. Das heißt wirklich schnell geht da gar nichts. Das heißt aber nicht, dass Impfen prinzipiell gefährlich ist, was ja viele Impfgegner behaupten. Die letzten gefährlichen Impfstoffe waren der Pocken- und Tuberkuloseimpfstoff. Aber das war noch in den 1960` er und 1970` er Jahren. Aber die Pocken sind weltweit 1980 durch Impfungen ausgerottet worden, ein Höhepunkt der Medizingeschichte. Die Impfung gegen Tuberkulose erfolgt nur bei strengster Indikation .

Es ist für mich als Allgemeinmediziner jedoch auch interessant, dass beim Coronavirus jetzt so vehement ein Impfstoff von der Bevölkerung gefordert wird und bei Erkrankungen, die letztendlich vermutlich in Österreich auch in diesem Jahr mehr Todesopfer als COVID 19 fordern wird, teilweise eine ziemliche Ablehnung besteht. Ich denke da an den „normalen“ Grippeimpfstoff, der nur aktuell von 8% der Bevölkerung genutzt wird, obwohl er alle Kriterien bei der Impfstoffherstellung erfüllt und wirklich gut von den Patienten vertragen wird. Denn eine Todesrate von 1500 Menschen in ganz Österreich wie bei der Grippe muss COVID 19 erst einmal erreichen.

Frage 4)  Wie gefährlich ist das „Corona Virus“ jetzt wirklich? Müssen wir alle sterben?

Das Gefährliche des COVID 19 ist, dass das Virus so ansteckend ist. Vermutlich steckt ein Infizierter- auch wenn er selbst keine oder fast keine Symptome hat -5-6 weitere Menschen an. Das ist sehr viel und erklärt auch die rasche Ausbreitung. Die Sterblichkeit ist hingegen geringer als befürchtet. Die Fallsterblichkeit ist stark davon abhängig, wie viele Alte sich infizieren und ob es zu einer Überforderung des Gesundheitssystems  durch zu viele Patienten kommt. In Südkorea starben bislang 0,9 Prozent aller gemeldeten COVID-19-Erkrankten, in Italien liegt dieser Wert zur Zeit bei 7,2 Prozent, in China sind es vier Prozent. Aber bei den über 80 Jährigen sind die Zahlen sehr hoch in China 14,8%, in Südkorea 9,5% und in Italien 20,3%. Global tötete das Virus 3,7 Prozent aller diagnostizierten Krankheitsfälle. Bei diesen Zahlen handelt es sich um den groben Fall-Verstorbenen-Anteil (case fatality ratio, CFR), beziehungsweise die Fallsterblichkeit. Er beziffert den Prozentsatz der Verstorbenen an den offiziell bekannten Krankheitsfällen und ist eine Momentaufnahme. Dieser Wert beschreibt aber nicht, wie tödlich das Virus für Infizierte ist, weil insbesondere milde oder symptomlose Verläufe oft nicht erfasst werden. Der Wert, der auch diese Zahlen einschließt, heißt Infizierten-Verstorbenen-Anteil und dürfte letztlich deutlich geringer ausfallen. Ihn zu berechnen ist wegen der Dunkelziffer aber auch weitaus komplizierter.

Die Pandemie ist in vollem Gange. Definitiv lässt sich die CFR (case fatality ratio, CFR) erst bestimmen, wenn der Ausbruch abgeebbt ist und die Infizierten entweder genesen oder verstorben sind. Im Falle von COVID-19 kann es laut Daten, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in China gesammelt hat, bis zu acht Wochen dauern, bis ein Erkrankter verstirbt. Milde Krankheitsfälle sind jedoch meist schon nach zwei Wochen wieder gesund.

Eine Überforderung des Gesundheitssystems sollte jedenfalls unbedingt vermieden werden. Aus diesem Grund sind Absagen von Veranstaltungen, Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen, Social Distancing und andere derzeit breit diskutierte Maßnahmen so wichtig. Nur so lassen sich Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen schützen und nur so lässt sich die Zahl der Neuinfizierungen senken und das Gesundheitssystem vor Überlastung bewahren. Dabei geht es nicht nur um die Sterblichkeit unter COVID-19-Erkrankten: Ist das Gesundheitssystem überlastet, sterben auch mehr Menschen, die wegen Schlaganfällen, Herzinfarkten oder ähnlichen Notfällen auf intensivmedizinische Versorgung angewiesen wären und diese nicht in angemessener Qualität erhalten können.

Daher: Sterben müssen wir sicher alle nicht. Es gibt bei Kindern und Jugendlichen fast ausschließlich milde Verläufe. Man geht davon aus, dass 80 Prozent aller Fälle milde verlaufen und nur bei etwa durchschnittlich Bei 20% klinische Verschlechterung mit Atemnot und verminderter Sauerstoffsättigung  ca.  7-10 Tage nach Symptombeginn. Bei 5% intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich sind, davon 4% Beatmungstherapie. Aber es gibt eben auch diese sehr schweren Verläufe vor allem bei älteren Menschen und daher gilt es diese Personengruppe jetzt zu schützen.

Unser Motto muss sein: strikte Desinfektion der Hände, ausreichende Sicherheitsabstände zu anderen Personen (1-2m), soziale Isolation und „ Jung hilft Alt“.

(neue Daten und Zahlen zur Sterblichkeit des Coronavirus Quelle: TGAM-News / Martin Springer und Katapult Medizin)